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20.03.2002 | Lübecker Nachrichten

Museale Stellwerktechnik verschwindet auch in Lübeck

Lichtsignale ersetzen Formsignale. Veränderte Arbeit bringt Wehmut mit sich

LÜBECK - Bislang sind es die vielen großen Signalmasten, die das Bild des in die Jahre gekommenen Bahnhofs im Vorfeld bestimmen. Sie zeigen den Lokführern an, ob ein Zug den Bahnhof verlassen darf oder in ihn hineinfahren darf. Die Flügelstellung wird über lange Stahlseile vom Stellwerk aus bestimmt. Oben im Stellwerkraum arbeiten die Herren über die Signale und Weichen des gesamten Bahnhofsgebäudes. Diese Technik gibt es seit über 100 Jahren.

Aber nun ist auch ihre Zeit gekommen. Die alten Signale müssen neuer Technik weichen. Lichtzeichen ersetzen auch in Lübeck künftig die alten Formzeichen. Schon in diesem Sommer werden die musealen Masten abmontiert und die neuen Lichtzeichen montiert.

Die Mitarbeiter des Lübecker Stellwerkes besitzt mit 40 Hebeln die längste Hebelbank in Europa. So nennt man die aneinander gereihten Hebel, mit denen die Stellwerker die Signale und Weichen verstellen. Mit jedem Hebel ist über ein langes Stahlseil eine Weiche oder ein Signal verbunden. Fast so alt wie die Eisenbahn ist diese Technik, und sie funktioniert bis heute sicher. Deshalb sehen es die Mitarbeiter mit Wehmut, wenn diese bewährte Technik nun verschwindet. Über 100 Signale mussten die Bahner lernen, um ihre Prüfung zu bestehen. Sie lernten die Bedeutung der Zeichen, die für Laien nicht nachvollziehbaren Abkürzungen: HP 1, HP 2, W usw., (Hauptsignal, Wartesignal). Die Arbeit im Stellwerk ist in doppelter Weise anstrengend. Einmal müssen die Hebel mit einiger Kraft bewegt werden, und zum Anderen haben sie die Verantwortung für die Sicherheit der ein- und ausfahrenden Züge. Nicht auszudenken, wenn ein Signal oder eine Weiche falsch gestellt werden. Verwechselungen sind tödlich.

Das Gebäude des Stellwerkes Hauptbahnhof Lübeck steht unter Denkmalschutz.Was aber aus der Technik werden soll ist noch ungeklärt. Die Arbeiten zum Bau der neuen Signalanlagen hat bereist begonnen. Ziel ist es, den gesamten Betrieb auf elektronische Steuerung umzurüsten. Dann werden Signale und Weichen von Hannover gestellt, wie überall in Norddeutschland. 75 Signale und 129 Weichen sind davon im Großraum Lübeck betroffen. In Lübeck wird dann nur noch ein Notdienst sein. Arbeitsplätze gehen für immer verloren. Die Bahn wird mit Unterstützung des Bundes für diese technischen Veränderungen über 54 Millionen Euro investieren.

Bis die neue Technik vollständig installiert und erprobt ist, werden die Stellwerker in Lübeck noch einige Zeit mit der alten Technik arbeiten müssen. Demnächst wird die alte Signaltechnik nur noch auf den Modelleisenbahnen zu bestaunen sein. Aber auch hier haben Elektrik und Computertechnik schon längst ihren Einzug gehalten.

Die Idee, mit Flügelstellungen Signale zu übermitteln wurde für die Eisenbahn von der Marine übernommen. Zuerst mit Flaggen, dann mit verschiedenen Stellungen von Flügeln konnten später auch Nachrichten über weite Strecken übermittelt werden.

Das erste Stellwerk wurde in Frankreich 1855 von Vignier von der Ouvest gebaut. Die Technik der Stellwerke wurde jedoch von dem Engländer John Saxby entwickelt. Er erhielt ein Patent auf seine Erfindung, die Signale durch Drahtzüge mechanisch fernzubedienen. Das erst Stellwerk in Deutschland wurde von der Braunschweigischen Staatsbahn 1886 im Bahnhof Börßum gebaut. Vorher mussten Weichen und Signale einzeln von Wärtern bedient werden.

Quellenangaben

Quelle: Lübecker Nachrichten, 20.03.2002, Seite: 15, Autor: Cosima Künzel
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Eisenbahn, Deutsche Bahn AG, Technik, Signaltechnik, Signale, Sicherheit, Geschichte, Denkmalschutz, Stellwerk, Arbeit, Beruf, Computer, Lübeck, Schleswig-Holstein, Deutschland, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2002
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