Das Pressearchiv bietet ausgewählte Artikel und Pressenotizen, die mit Verkehr zu tun haben. Sie sind chronologisch geordnet. Eine systematische Recherche mit der Suchmaschine wird durch die Verschlagwortung unterstützt.

Schifffahrt
Eisenbahn
Lastwagen
Flugzeuge
Ziehen und Schieben
Zurück

16.05.2002 | Berliner Zeitung

Berlins schönster Bahnhof Mexikoplatz verkauft

Bürgerinitiative vermutet Mauschelei und lässt prüfen

BERLIN - Das Bahnhofsgebäude der S-Bahnlinie Wannsee wurde im Jugendstil gebaut und gilt als einer der schönsten Bahnhöfe Berlins. Sein Architekt war Gustav Hart und fertiggestellt wurde er 1903/4. Der Verkauf des Gebäudes an die Geschäftsleute Thomas Drechsel (Gastronom) und Detlev Marschner (Autohändler) rief eine Bürgerinitiative auf den Plan. Sie hat nach eigenen Angaben Hinweise, dass der Kaufpreis nur 1,4 Millionen Mark betragen haben soll. Zuvor war von der Bundeseisenbahnvermögensverwaltung (BEV) immer der Mindestpreis von 2,6 Millionen genannt worden. Dies hätte auch die Bürgerinitiative aufbringen können, die im Bahnhof ein Kulturzentrum errichten wollte. Über 5000 Unterschriften für den Erhalt des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes wurden gesammelt.

Weder die Bundeseisenbahnvermögensverwaltung (BEV) noch die Politik wollen den Kaufpreis bestätigen. Darüber kann keine Auskunft erteilt werden, heißt es. Auch die neuen Eigentümer äußern sich nicht. Es ist auch nicht bekannt, was sie mit dem Gebäude machen wollen, jedoch mussten die bisherigen Mieter, ein Buchhändler und ein Blumenhändler, das Gebäude Ende Juni räumen. In der Buchhandlung hat Kultur einen festen Platz, schon Günter Grass und andere bedeutende Schriftsteller haben hier gelesen.

Die Bürgerinitiative wehrt sich dagegen, dass ein öffentlicher Platz wie der Bahnhof Mexikoplatz überhaupt privatisiert wird. Sie wird bei ihrem Vorhaben von Rechtsanwalt Scharnhorst unterstützt. So haben sie eine Anfrage an den Haushaltsausschuss des Bundestages und den Bundesrechnungshof eingereicht, um den Kaufpreis zu erfahren und den Verkauf rückgängig zu machen.

1980 war der Bahnhof von der DDR-Reichsbahnverwaltung wegen eines Streiks der Westberliner S-Bahn-Beschäftigten geschlossen worden. 1985 wurde er unter Westberliner Regie wieder eröffnet.

Quellenangaben

Quelle: Berliner Zeitung, 16.05.2002, Seite: 29, Autor: Mathias Raabe
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Eisenbahn, S-Bahn, Bahnhof, Architektur, Jugendstil, Privatisierung, Renovierung, Ökonomie, Verkauf, Bürgerinitiative, Regierung, Berlin, Politik, Berlin, Deutschland, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2002
Zurück