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21.05.2002 | Berliner Zeitung

Selbermachen geht nicht

Computerfehler beim Erstellen von Fahrscheinen

BERLIN - Zahlreiche Fehler und Pannen trübten die Freude an den neuen Möglichkeiten, sich selbst den Fahrschein am Computer auszustellen. Die Leitungen waren überlastet, die Software voller Fehler. Tagelang gab es ein Chaos.

Diese schwierige Phase sei, so Bahnsprecher Achim Stauß, durch Aufstellen eines weiteren Servers und weiteren technischen Korrekturen überwunden, das System laufe nun einwandfrei. Ab 2. Mai können Kunden der Bahn sich die Fahrkarten am heimischen PC ausstellen und selbst drucken. Diese Möglichkeit führte zu einem Ansturm, mit dem man nicht gerechnet hatte und der deshalb die Technik innerhalb von wenigen Stunden lahm legte. Pro Stunde wollten sich über 20 000 Kunden ein Ticket ausstellen. Mit 4000 am Tag sei gerechnet worden. So kam es zur totalen Überlastung der Systeme, auch die Auskunft funktionierte nicht mehr. Nun habe man alles im Griff, versicherte Stauß.

Mit dem neuen Angebot können Besitzer einer Bahncard bis eine Stunde vor Abfahrt des Zuges ihre Fahrkarten selbst ausstellen. Dieses Angebot gilt aber nur für Reisen über 100 Kilometer. Die Bezahlung erfolgt mit Kreditkarte. Alle Arten von Tickets und Angebote der Bahn werden berücksichtigt, erläuterte Stauß. Nicht im Angebot sind die Fahrkarten von anderen Bahnbetreibern, Fahrverbünden, Monatskarten und Sondertickets.

Wer keine Bahncard hat kann den Fahrschein auch per Internet buchen, bekommt ihn aber mit der Post zugeschickt. Dies dient der Sicherheit. Deshalb muss eine Frist von mindestens drei Tagen eingehalten werden.

Zunächst rechnet die Bahn mit 2 Prozent der Kunden, die diesen Service nutzen werden. Besonders in Gegenden, wo der nächste Bahnhof weiter entfernt ist, werde das Angebot genutzt. Nach den ersten Erfahrungen sind 20 Prozent der Selbstbucher Neukunden bei der Bahn, so kann die Bahn neue Kreise von Fahrgästen erschließen. Bei dem neuen Angebot handelt es sich um eine Erweiterung der Möglichkeiten des schon seit längerem möglich Vorbestellers mit dem Portal "Surf & Rail", bei dem der Personalausweis genügt, aber sieben Tage vor Fahrtantritt gebucht werden muss. Dieses Angebot gilt auch nur für bestimmte, wenig ausgelastete Züge. Die Bahn hofft, so Stauß, die Nutzung ein wenig besser steuern zu können. So kann mit diesem Angebot der Preis einer Fahrt noch deutlich unter den Preis einer Fahrt mit Bahncard gesenkt werden, für die es nochmals einen kleinen Abschlag gibt.

Vertreter des Bahnnutzer-Verbandes Pro Bahn warnen vor einem weiteren Abbau von Verkaufsstellen für Fahrkarten, wenn sich das Selbstbuchen durchsetzen sollte. Die persönliche Beratung gehe schon jetzt immer weiter verloren, meinte der Vorsitzende Karl-Peter Naumann. Stauß hingegen setzt auf den Ausbau attraktiver Reisezentren, der Verkauf am Schalter sei immer noch die mit Abstand beliebteste Einkaufsmöglichkeit für Fahrkarten. Die Bahn muss aber mit der Zeit gehen und alle Möglichkeiten für ihre Kunden anbieten.

Quellenangaben

Quelle: Berliner Zeitung, 21.05.2002, Seite: 30, Autor: Peter Kirnich
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Eisenbahn, Personenverkehr, Fernverkehr, Deutsche Bahn AG, Fahrkarten, Automatisierung, Computer, Internet, Verkauf, Kosten, Ökonomie, Arbeit, Pro Bahn, Deutschland, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2002
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