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08.07.2002 | Lübecker Nachrichten

Jubiläum für Rangierbahnhof Maschen

Früher "Wunder der Technik" - heute große Überkapazitäten

HAMBURG - Vor 25 Jahren wurde der Rangierbahnhof Maschen, südlich der Elbmetropole Hamburg eingeweiht. Der als "Technisches Wunder" bezeichnete damals größte und modernste Rangierbahnhof Europas hat nur bedingt Grund zum Feiern. Viele Gleise der gigantischen Anlage werden heute nicht mehr gebraucht. Statt der geplanten Kapazität von 11 000 zu rangierenden Güterwaggons werden heute kaum noch 5000 rangiert. Viele der 830 Beschäftigten haben Angst um ihren Arbeitsplatz.

Die Anlage des Rangierbahnhofs hat heute noch imponierende Ausmaße: Er ist 7 Kilometer lang und 700 Meter breit, besitzt 800 Weichen und verfügt über eine Gleislänge von 300 Kilometern. Die Baukosten betrugen 1977 800 Millionen Mark. Neben den Gleisen mussten 47 Brücken und 36 andere Hochbauten errichtet werden. Insgesamt wird die Anlage von einigen Stellwerken mit den damals ganz neuen Computern gesteuert. Mit dem Bau wurde auch eine Verbindungsbahn zur Strecke Buchholz - Bremen gebaut. Nicht gedacht wurde an die Anbindung des Verkehrs nach dem Osten, so dass nach der Vereinigung neue Probleme entstanden. Erst 1996 konnten auch die Züge aus dem Osten aufgenommen werden, ohne dass in Hamburg die Loks umgekuppelt werden mussten.

So wurde der Rangierbahnhof ein Vorbild für vergleichbare Anlagen in ganz Europa. Er ersetzte die alten Rangierbahnhöfe der Hansestadt, den Hauptrangierbahnhof, die Rangierbahnhöfe in Eidelstedt, Wilhelmsburg und Harburg. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg war ein Neubau geplant, konnte aber nur zum kleinen Teil realisiert werden.

Erst 1977 konnte die erste und drei Jahre danach die Gesamtanlage in Betrieb gehen. Die Arbeit der Rangierer, die zuvor jeden Waggon einzeln mit Hemmschuhen abbremsen mussten wurde durch computergesteuerte Gleisbremsen ersetzt. Die Wagen werden über einen Ablaufberg und verschiedene Weichen zu Zügen in verschiedenen Richtungen zusammengestellt. Diese Aufteilung der Gleise wird als Gleisharfe bezeichnet, weil sich die einzelnen Gleise wie die Drähte einer Harfe verzweigen. Zuvor mussten die Rangierer die Hemmschuhe nach Gefühl auf die Gleise setzen, damit die Waggons nicht zu heftig auf die stehenden Wagen aufprallten oder zu früh stehen blieben. Im ersten Fall konnte Schaden entstehen, im zweiten musste die Waggons dann zusätzlich geschoben werden. Aber auch heute noch müssen trotz aller Automatik die Waggons noch mit der Hand gekuppelt werden.

Quellenangaben

Quelle: Lübecker Nachrichten, 07./08.07.2002, Seite: 9, Autor: Sven Badura
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Eisenbahn, Deutsche Bahn AG, Cargo, Güterverkehr, Gleise, Bahnhof, Rangierbahnhof, Weichen, Stellwerke, Arbeit, Beruf, Rangierer, Automation, Waggon, Ökonomie, Technik, Hamburg, Harburg, Maschen, Niedersachsen, Deutschland, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2002
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