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28.12.2002 | Lübecker Nachrichten

Die Bahn stand Weihnachten still - Im Eisregen lief nichts mehr

Wetter verursachte Chaos - Fahrgäste waren erbost - Mehr als 16 Stunden Verspätung

HAMBURG - Tausende Fahrgäste saßen frierend Stunden um Stunden in den norddeutschen Zügen. Plötzlich einsetzender Eisregen hatte die Oberleitung so vereisen lassen, dass die Elektrozüge nicht mehr fahren konnten. Viele Kunden waren über den mangelhaften Service der Bahn empört. Die Heiligabendfeier fiel für Fahrgäste im Zug ohne Feststimmung aus.

Bahnchef Mehrdorn versteht die oftmals lauthals vorgetragenen harsche Kritik an der Bahn und ihren Angestellten nicht. Die Servicekräfte hätten bis an ihre Grenzen gearbeitet. "Bei solch einem Wetterereignis sei eben nichts zu machen", meinte Hartmut Mehdorn. Für die schlimmsten Verspätungen seien Hunderte von Gutscheinen für Hotelunterkünfte, für Taxen und für Bahnreisen ausgestellt worden.

Die Oberleitungen der Bahn waren durch den starken Eisregen Zentimeter dick vereist, an vielen Stellen waren sie dadurch so schwer geworden, dass sie brachen. An anderen Stellen wurden die Leitungen durch umstürzende Bäume zerstört. Techniktrupps waren fieberhaft im Einsatz, konnte jedoch das zunehmende Chaos nicht verhindern. Züge warteten mehr als zwei Stunden auf andere verspätete Bahnen und dadurch wurde es immer schlimmer. Teilweise musste der Verkehr der Bahn am Nachmittag gänzlich eingestellt werden. So lief zwischen Hamburg und Hannover nichts mehr. Die Fahrt de ICE von Hamburg nach Dortmund dauerte über 16 Stunden.

Empörte Reisende meinten: "In dieser Zeit können wir um die halbe Welt fliegen". In den Zügen teilten einige Fahrgäste ihre Schätze, so wurde von Hummeressen, Champagner und Rotwein berichtet, die eigentlich als Weihnachtsgeschenk für die Lieben gedacht waren, aber nun zur Notration für die im Zug Eingeschlossenen herhalten mussten. Stellenweise kam das Technische Hilfswerk zum Einsatz und versorgte Reisende mit Getränken und warmen Würstchen. Einige Musiker unterhielten Fahrgäste mit kleineren Darbietungen, so kam hier und da doch noch etwas Feststimmung auf.

Auch am ersten Feiertag waren im Norden, vor allem in Niedersachsen noch einige Regionalstrecken gesperrt. Die Bahn versuchte Umleitungen einzurichten. Diese Wetterlage war nicht vorhersehbar und es gibt auch keine technische Möglichkeiten sich davor zu schützen, meinte Bahnsprecher Hans-Jürgen Meyer für die Region Niedersachsen und Bremen. Kritik kam auch vom Fahrgastverband "Pro Bahn". Ein Sprecher warf der Bahn mangelnden Service vor. So hätte es in einigen Fällen mehr als zwei Stunden gedauert, bis der Zugführer per Handy die Bahnzentrale erreicht hätte. Die starke Zentralisierung sei ein Fehler. Die Bahn solle auch mehr Diesellokomotiven als Einsatzreserve vorrätig haben. Andere brachten eine Heizung der Oberleitungen ins Gespräch. Die Bahn wies solche Vorschläge als technisch und finanziell undurchführbar zurück.

Quellenangaben

Quelle: Lübecker Nachrichten, 28.12.2002, Seite: 5, Autor: Hans Meyer/AP/dpa
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Eisenbahn, Personenverkehr, Fernverkehr, Deutsche Bahn AG, Wetter, Eis, Regen, Eisregen, Kälte, Chaos, Verspätung, Ausfall, Service, Technik, Oberleitung, Norddeutschland, Göttingen, Kassel, Hamburg, Dortmund, Bremen, Osnabrück, Niedersachsen, Deutschland, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2002
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