Das Pressearchiv bietet ausgewählte Artikel und Pressenotizen, die mit Verkehr zu tun haben. Sie sind chronologisch geordnet. Eine systematische Recherche mit der Suchmaschine wird durch die Verschlagwortung unterstützt.

Bautechnik
Ziehen und Schieben
Lastwagen
Pferdefuhrwerke
Hochbahn
Zurück

01.01.1999 | Lübecker Nachrichten

Modernisierung des Lübecker Hauptbahnhofs weiter ungewiss

Bahnchef Mehdorn macht einen Rückzieher

Bahnchef Hartmut Mehdorn hat jetzt wieder einmal alle bisherigen Pläne zur Sanierung des Lübecker Hauptbahnhofes über den Haufen geworfen. Es wird wieder an neuen Plänen gearbeitet. Der Bundestagsabgeordnete Reinhold Hiller (SPD) spricht von einem neuerlichen "schweren Rückschlag". Vom ehemals von Stararchitekten geplanten Super-Bahnhof inklusive Kino und Shopping-Center für 115 Millionen Mark, zu dem die Bahn den Lübecker Hauptbahnhof noch Ende 1998 umbauen wollte, hat sich die Bahn AG längst getrennt. Auch die "kleine Lösung", ein Umbau für ca. 30 Millionen, ist schon vom Tisch. Inzwischen ist von 53 Millionen die Rede, die die Bahn und das Land Schleswig-Holstein gemeinsam zur Sanierung aufbringen wollen. Neue Pläne sollen aber erst Ende des Jahres vorliegen. Die Bahn rechnet jetzt mit dem Baubeginn noch Ende 2001. Reinhold Hiller, Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestages, betrachtet die neuen Ankündigungen mit Skepsis: "Seit zehn Jahren wird geplant, aber es fallen keine Entscheidungen!" Sogar der Petitionsausschuss des Bundesparlaments habe den überfälligen, behindertengerechten Ausbau des Lübecker Bahnhofs ohne Erfolg angemahnt. Immerhin hat Bahnchef Hartmut Mehdorn erkannt, dass dringender Bedarf besteht. Er bestätigte Hiller, dass der Bahnhof in keiner Weise mehr "den Anforderungen des modernen Reiseverkehrs" entspricht. Aber die bisherigen Pläne könnten "den erforderlichen wirtschaftlichen Erfolg nicht sicherstellen und wurden deshalb aus dem Bahnhofspaket herausgenommen", so Mehdorn. Jetzt müsse die Bahn aber endlich Dampf machen, meint Hiller, "die bisher stiefmütterliche Behandlung macht schnelle und positive Entscheidungen notwendig". Mehr als "nette Absichtserklärungen" habe er jedoch von Mehdorn bisher nicht bekommen können. "Auch wir machen Druck", so bestätigte ein Sprecher des Kieler Verkehrs-ministeriums gestern. Im Ergebnis scheine es nun, als könnten die auf zwei Jahre anberaumten Umbau- und Sanierungs-arbeiten schon Mitte anstatt, wie bisher verkündet, erst Ende kommenden Jahres beginnen. Wolfgang Seyb von der in die Planungen einbezogenen landesweiten Verkehrsservicegesellschaft (LVS Schleswig-Holstein) verspricht, dass nach dem Umbau endlich auch behinderte Fahrgäste zu ihrem Recht kommen. Aufzüge zu den Bahnsteigen seien vorgesehen. Auch weitere Politiker in Lübeck ärgert, dass nun wieder erst von Plänen die Rede ist und Taten nach wie vor auf sich warten lassen. Peter Sünnenwold (CDU) beurteilt die bisherige Behandlung der Hansestadt durch die Bahn AG als "Riesenunverschämtheit".

Quellenangaben

Quelle: Lübecker Nachrichten, Autor: Michael Berndt
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Eisenbahn, Personenverkehr, Fernverkehr, Nahverkehr, Bahnhof, Empfangsgebäude, Sanierung, Renovierung, Baumaßnahme, Planung, Konzept, Mensch, Behinderung, behindertengerecht, Rollstuhlfahrer, Aufzug, Fahrstuhl, Ökonomie, Rentabilität, Kosten, Kostenabschätzung, Kalkulation, Politik, Finanzierung, Zuschüsse, Deutsche Bahn AG, Lübeck, Schleswig-Holstein, Deutschland, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2001
Zurück