Das Pressearchiv bietet ausgewählte Artikel und Pressenotizen, die mit Verkehr zu tun haben. Sie sind chronologisch geordnet. Eine systematische Recherche mit der Suchmaschine wird durch die Verschlagwortung unterstützt.

Pressearchiv
Eisenbahn
Fahrrad
Bautechnik
Ziehen und Schieben
Zurück

08.06.1999 | Lübecker Nachrichten

Europas Verkehr nimmt zu: Bahn nimmt LKW

80 Prozent Steigerungen in den nächsten Jahren erwartet

MÜNCHEN - Die Probleme mit dem Güterverkehr nehmen drastisch zu. Aus ökologischen Gründen fordern Verkehrspolitiker, nicht nur der Grünen, eine Verlagerung von möglichst viel Güterverkehr auf die Schienen. Staus und Unfälle auf den Straßen nehmen zu. Die Katastrophe im schweizerischen Alpentunnel vor einiger Zeit ist vielen noch in Erinnerung. Die bedeutende europäische Fachmesse "Transport '99" wurde von Bundesverkehrsminister Franz Müntefering (SPD) in München eröffnet. Welche vielfältigen Möglichkeiten die Logistik in der Kombination von Straßen und Schiene bietet, soll auf der Ausstellung vorgeführt werden. Der Güterverkehr auf der Schiene ist meist teurer als der mit dem LKW und dazu langsamer. Dies kommt daher, dass auf der Strecken über die Alpen und den -Brennerpass zwischen München und Verona sechsmal die Lokomotiven gewechselt werden müssen, erklärte Professor Reinhardt Jünnemann als Experte des Fraunhofer-Institutes für Logistik. "Der Zug braucht", so der Fachmann weiter, "für die Strecke über den Brenner deshalb 12 Stunden, während ein Lastwagen weniger als 9 Stunden benötigt". In dem neuen Konzept des Kombiverkehrs soll es möglich sein, die Fahrzeit auf sechs Stunden zu reduzieren. LKWs fahren dann auf Spezialzüge, die ohne Halt durchfahren können. Andere Experten und Interessenvertreter warnen. Selbst wenn der Bahnverkehr vervielfacht würde, könnte er die Transportleistung der LKWs nicht erreichen. Die Steigerungen des Warenverkehrs in Europa werden in den nächsten zehn Jahren wahrscheinlich 80 Prozent ausmachen, erklärten Vertreter der International Road Transport Union (IRU). Sie wiesen darauf hin, dass 90 Prozent des Warenverkehrs auf Kurzstrecken unter 100 Kilometer transportiert würden und da habe die Bahn keine Chance. Die flächendeckende Versorgung habe die Bahn bereits seit längerer Zeit wegen der Kostensituation aufgegeben. Die "Transport '99" beschäftigt sich aber auch mit anderen Fragen des Verkehrsgewerbes. Es handelt sich um eine Fachmesse für Logistik, Telematik, Güter- und Personenverkehr. Sie bietet einen Blick in die mögliche Zukunft des Transports von Personen und Gütern auf der Schiene, dem Wasser und den Straßen. Die Steuerung des Verkehrs wird immer mehr eine Aufgabe der Computer. Auf der Autobahn ebenso wie bei Zügen und Flugzeugen. Selbst Schiffe navigieren mit dem Computer. Die Ladung kann jederzeit mittels GPS und Computer verfolgt und geleitet werden. So wissen die Logistiker immer genau, wie sie die Warenströme optimieren können, Leerfahrten würden vermieden und dies nütze auch der Umwelt. Gerade Häfen werden so zu logistischen Zentren, da hier die unterschiedlichen Verkehrsträger zusammentreffen. 900 Aussteller, dass sind ein Drittel mehr als bei der letzten Messe, aus 37 Staaten, stellen ihre Konzepte und Produkte der interessierten Fachöffentlichkeit vor. Professor Jünneman erklärte, dass mehr als 70 Prozent der Waren mit dem LKW, nur knapp 20 mit der Bahn und 10 Prozent mit dem Binnenschiff transportiert würden. Jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland hinge im weitesten Sinne mit dem Transportgewerbe zusammen. Der Experte riet den Spediteuren wegen der geringen Verdienstspanne dringend zur Ausweitung der Geschäfte und der Angebote von Haus zu Haus in der Form einer "integrierten Transportkette". In der Autoindustrie würde, so Jünnemann, dieses System bereits erfolgreich eingesetzt, es spare bis zu 30 Prozent der Kosten.

Quellenangaben

Quelle: Lübecker Nachrichten, Autor: Roland Freund (dpa)
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Eisenbahn, Güterverkehr, LKW, Schiff, Logistik, Transportgewerbe, Spedition, Kombiverkehr, Ökologie, Ökonomie, Technik, Telematik, Navigation, Satellit, GPS, Statistik, Zukunft, Forschung, Deutsche Bahn AG, Alpen, Italien, Österreich, Deutschland, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2001
Zurück