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01.01.1970 | Stadtanzeiger Lübeck

Vergessene "Kunst" am Lübecker Stadtrand

Bürger sorgen sich um die ehemalige Straßenbahnstation "Kreuzweg"

LÜBECK - Viele Autos fahren täglich an dem verfallenden Häuschen vorbei, wohl jeder Lübecker hat sie schon einmal gesehen, jedoch kaum jemand kennt die Schnitzereien. Kurz vor der Abfahrt der Travemünder Allee nach Israelsdorf fristet die ehemalige Straßenbahnstation "Kreuzweg" ihr Dasein. Ein Schlutuper Bürger möchte dem Verfall des kleinen Häuschens nun beenden. "Schauen Sie mal", sagt Ulrich Drabinski und deutet auf den Giebel des Hauses, in dem sich eine Reihe aus Holz geschnitzter Figuren befindet. "Die sind vielleicht nicht wertvoll, aber zu schade, um sie vergammeln zu lassen." Drabinskis düstere Zukunftsvision ist berechtigt, die Sorge um die Figuren nachzuvollziehen. Die ehemalige Haltestelle ist meterhoch von Gestrüpp umwachsen. Zahlreiche Graffitis "zieren" das Mauerwerk. Ein vergessenes Bauwerk an Lübecks Stadtrand, dessen Schicksal Ulrich Drabinski berührt. Er kennt das Häuschen seit 50 Jahren. "Das Haus ist mir egal", meint der engagierte Bürger, "mir geht es darum, die Schnitzereien vor dem Verfall zu bewahren". Es wird höchste Zeit, denn einige der Figuren sind schon beschädigt. Um 1933 sind sie geschnitzt worden. Sie gelten heute als Nazikunst. Der Denkmalpfleger korrigiert jedoch. "Volkskundliche Darstellungen der Berufsgruppen", meint Dr. Michael Sabottka, der als wissenschaftlicher Sachbearbeiter der Hansestadt zuständig ist. So wurden die Schnitzereien und auch die Haltestelle als "einfaches Kulturdenkmal" ausgewiesen. Das bedeutet, das deren Erhaltung im öffentlichen Interesse liegt. Zuständig für den Erhalt ist der jetzige Eigentümer, der Bereich Stadtwald der Hansestadt. Er erhielt das Gebäude 1986 von den Stadtwerken übereignet. Das Engagement von Ulrich Drabinski schätzt der Leiter, Dr. Lutz Fähser. "Das ist prima", freut sich Fähser, "denn das Haus ist durch seine Lage funktionsentleert". Auch er erkennt konkreten Handlungsbedarf. Zunächst will sich der Forstbeamte mit Drabinski zusammensetzen, um nach einer befriedigenden Lösung zu suchen. Drabinski macht ernst: "Vielleicht könnte man eine Interessengemeinschaft gründen oder Benefiz-Veranstaltungen organisieren", schlägt er vor. Um die Figuren von Schuster, Schmiede und Sattler zu retten, ist ein neuer Ort zum Aufstellen zu suchen. "Vielleicht auf dem Koberg", schlägt Drabinski vor, "da würden sie gut hinpassen".

Quellenangaben

Quelle: Stadtanzeiger Lübeck
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Straßenbahn, Tram, Personenverkehr, Nahverkehr, Geschichte, Baukunst, Kunst, Nazikunst, Haltestelle, Dach, Giebel, Verzierung, Werkstoff, Holz, Schnitzereien, Denkmal, Denkmalschutz, Sanierung, Renovierung, Finanzierung, Spenden, Ehrenamt, Lübeck, Deutschland, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2001
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