Kinder machen Kunst mit Medien
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geraubt - gedopt - gestorben
von Stephan Samuel
ALSO ICH GLAUBE NICHT, WAS DIESER KOFFER SAGT  
stop motion expert foto: m.thimm

STRASSENCAFE AM UFER DES LANDWEHRKANALS

AUSSEN, TAG

Der bekannte Filmemacher und der nicht minder bekannte Lehrer sitzen bei einer Tasse Kaffee in der Junisonne. Die Männer wirken entspannt und machen nicht viele Worte. Denn sie haben schon einmal gemeinsam ein Spielfilmprojekt mit Kindern an einer Grundschule realisiert. ("Der eiskalte Mord", 2003 an der Reinfelder Schule)

Der Lehrer skizziert seine Vision für das neue Projekt: ein Koffer als durchgehend zentraler Gegenstand in unterschiedlichen Funktionen in drei miteinander verbundenen, ineinander übergehenden Kurzfilmen.
Der Filmemacher denkt an Shortcuts von Robert Altman, an Magnolia von Paul T. Anderson und freut sich über die konkrete Idee und die damit verbundene Herausforderung.

Gut, sagt der Filmemacher, dann sollen sich die Kinder mal über die Sommerferien als Autoren versuchen, und jeweils eine Kurzgeschichte zum Thema Koffer schreiben, mal gucken was dabei herauskommt.

Uns schwebt folgender Weg vor, den wir gemeinsam mit den 21 Kindern der 6C gehen wollen:
Geschichte aus dem Kopf > aufs Papier > in die Kamera >in den Schnittcomputer >auf die Leinwand > in den Kopf...

Wir wollen ein Produktionsteam auf Zeit bilden, in dem alle Kinder abwechselnd die verschiedenen Arbeits- und Gestaltungsphasen und - Bereiche einer Filmproduktion kennenlernen und ausprobieren können.

Wir nehmen uns vor, uns in erster Linie als Kreativ - Dienstleister im Auftrag der Kinder zu verstehen. Wir wollen gewährleisten, dass die kreativen Impulse der Kinder sichtbar gemacht werden und in ihrem Sinne in dem Film manifest werden. Ihr Wille geschehe. Und sie haben die Chance, in vorgegebenen formalen Grenzen ihre persönlichen Freiräume zu entdecken und zu behaupten.

Und wir wollen die, tja handwerklichen Standards garantieren, die gemeinhin eher unterbewusst vom Publikum von einen "richtigen Film" erwartet werden, um sich auf den Inhalt einlassen zu können. (um nur ein Beispiel zu nennen: Geräusche, die sich nicht mit der visuellen Wahrnehmung in Einklang bringen lassen, lösen unterschwellige Bedrohungsgefühle und Ablehnung beim Zuschauer aus).

Wir werden - soweit es mit unseren technischen Mitteln möglich ist, die gängigen Rezeptionskonventionen des Alltagsmediums Film/Fernsehen bedienen. Die Zuschauer sollen sich nicht aufgrund "verstörender" Sinneswahrnehmungen emotional dem Film verschliessen können.
Wir wollen, dass die Kinder mit ihren Geschichten und dem Kern ihres Schaffens von ihrem Publikum ernst genommen werden.
Wir wollen, dass sie gefragt werden: "Wie habt ihr das denn hingekriegt?" Und wir wollen, dass sie diese Frage, dann auch beantworten können.
Die Kinder wollen, dass der Film auf PRO 7 oder so läuft.

Die Herstellung eines Films soll den Wahrnehmungshorizont der Kinder in Bezug auf das Medium Film/Fernsehen erweitern.

Die Kinder sollen am eigenen Leibe eine konkrete Vorstellung von dem Aufwand bekommen, der betrieben wird, um eine Geschichte auf die Leinwand zu bringen.

Und wir wollen die Kinder und uns selbst und die Zuschauer überraschen:
wie aus einer Vielzahl von kleinen Einzelleistungen und deren Synchronisation und Koordination ein grosses Ganzes entsteht. Wird unser Film ein Eigenleben hervorbringen? Wird er sich hier und dort selbständig machen? Erfahren wir Dinge über uns, die wir vorher nicht wussten? Fühlen wir etwas, was wir nicht geplant haben? Erreichen wir, was wir uns vorgenommen haben?

Wir wollen gut planen und vorbereiten, aber trotzdem flexibel bleiben, offen für Zufälle und Spontanes

was passieren wird:
Traumfabrik, Desillusion, Effekthascherei, entscheiden was man will, Planung, unvorhergesehene Probleme lösen, Glück haben, Erfahrungen einbringen, Behauptungen aufstellen, Gestaltung und Auswahl des sichtbaren Bildauschnitts, Koordination von Handlung und Aufnahme. In der Zeit und im Raum hin und her springen. Etwas zu sagen haben, Spielzeugwaffen. Hamburger, Handys, Kunstblut, sich trauen, so tun als ob, es ernst meinen, sich konzentrieren, sich wiederholen, genau hinschauen, rumpuzzlen warten. Nicht mehr durchblicken, die Übersicht behalten. Lob. Kritik. Lügen. Ehrlichkeit. Oberflächlichkeit. Vereinfachung.

Und: "Das können Sie ja dann beim Schnitt im Computer noch reinmachen"

Ganz klar formulierter Wunsch der Kinder ist: am Ende des Films eine Zusammenstellung von OUTTAKES "verkackte Szenen" wo was nicht geklappt hat, wo jemand versagt hat, Aufnahmen in denen was lustiges, nicht Geplantes zu sehen ist.

Für die Produktionsphase haben wir:

  • zehn Schultage als Drehtage,
  • einen Raum in der Schule, den wir durchgehend
    belegen können, und in dem wir die verschiedenen
    Dekorationen aufbauen können.
  • eine 3Chip-Kamera (minidv) Stativ, Weitwinkelvorsatz
  • externes Mikrophon, Kopfhörer
  • drei 500 Watt Bauscheinwerfer auf Stativen. Styroreflektoren
  • drei erwachsene Projektbegleiter, die eine Aufteilung in kleinere
    Arbeitsgruppen möglich machen.
  • eine zweite Kamera von KIDS ON MEDIA
  • einen alten Handkoffer vom Lehrer

unerfüllbare (Lehrer)Wünsche:

  • ein Kinderfilm -Team, dass zusätzlich zu den eigentlichen Filmaufnahmen einen Film über den Film dreht.
  • Postproduktion (Schnitt) mit Beteiligung der Kinder. (Der Schnitt ist ein so komplexes Gestaltungsfeld, das man diesem Bereich einen speziellen Projektrahmen einräumen müsste, um es nachhaltig für Kinder erfahrbar zu machen
    und: so wie jedes Kind einen Tuschkasten für den Kunstunterricht zur Verfügung hat, müssten vergleichbare technische Voraussetzungen vorhanden sein. Und Zeit und Raum für intensive individuelle Anleitung
 
menschenmenge foto: m.thimm
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